Kann ich alte S5- und S7 Steuerungen an die Cloud anbinden?
Ja, wenn OPC UA nicht dafür genutzt werden kann, kann die Verbindung zur Cloud über MQTT realisiert werden.
Wie erfolgt jeweils die Konfiguration?
Die OPC-UA-Konfiguration empfehlen wir über unseren OPC UA Editor. Dieser ist abgestimmt auf unsere Produkte und somit recht einfach und intuitiv zu bedienen. Die beiden Kommunikationsadapter für die Steuerungen werden ganz einfach über unseren bekannten IBH-Net-Treiber konfiguriert, alternativ über die integrierten Webinterfaces.
Welche Fähigkeiten sollte ein Kunde mitbringen, damit die Konfiguration gelingt?
Klar, technisches Verständnis darf immer vorhanden sein, allerdings ist auch dieses nicht zwingend erforderlich. Die Bedienung der Geräte und der dazugehörigen Software ist ganz einfach gehalten, dazu bieten wir eine sehr detaillierte Dokumentation mit Handbüchern und den jeweiligen Beispielen.
ei der IBH-Softec-Lösung handelt es sich um eine Server-/Client-Baugruppe. Welche Vorteile bietet diese den Anwendern?
Durch die OPC-Client-Funktion wird auch der Datenaustausch von OPC Servern untereinander ermöglicht. Es können über diese Funktion zum Beispiel Steuerungen oder andere Geräte mit OPC UA verschiedener Hersteller Daten austauschen. Die Konfiguration der Client-Funktion erfolgt über die Weboberfläche.
Anwender können mit Ihrer Lösung auch Historische Daten generieren. Könnten Sie dies bitte näher ausführen?
Während OPC Data Access Zugriff auf Daten in Echtzeit ermöglicht, unterstützt OPC Historical Access, auch OPC HDA benannt, den Zugriff auf bereits gespeicherte Daten. Von einfachen Datalogging-Systemen bis zu komplexen Scada-Systemen können Historische Daten auf genormte Weise abgefragt werden. Die Aktivierung der Historischen Daten erfolgt komfortabel über die Weboberfläche. Die Variablendefinitionen werden von der Programmiersoftware in den IBH Link UA über Ethernet übertragen. Die Variablenattribute, zum Beispiel Schreibschutz oder Grenzwerte, definiert man direkt im SPS-Projekt. Es ist somit ein symbolischer Zugriff auf Strukturen in Datenbausteinen und Variablen möglich.
Wie sieht es in puncto Security aus?
Der IBH Link UA hat eine integrierte Firewall und ist von der OPC Foundation zertifiziert. Daher bietet er alle notwendigen Security-Anforderungen, die die OPC-UA-Welt mit sich bringt und verlangt.
Ein wichtiger Bestandteil von OPC UA ist der Austausch von Zertifikaten. Aufgrund des immer wichtig werdenden CRA ( Cyber Resilience Act) müssen diese sehr häufig erneuert werden, was an großen Anlagen schwer realisierbar ist. Gibt es dafür von IBHsoftec einen Lösungsansatz?
Genau für diesen Fall haben wir einen GDS – einen Global Discovery Service (Server/Client) auf den Quad-Core-Geräten integriert. Dieser Global Discovery Service ermöglicht eine automatische Verteilung der Zertifikate an alle beteiligten Geräte.
Wo liegen im Vergleich zum Kauf einer neuen Steuerung die Unterschiede, wenn Kunden Ihre Lösung nutzen?
Ganz klar beim Kostenfaktor. Auch in Hinsicht auf die aktuelle Wirtschaftslage merken wir immer mehr, dass Kunden lieber die vorhandenen Anlagen umrüsten, anstatt sie gegen eine neue und deutlich teurere Steuerung zu ersetzen.
Welches war die älteste Steuerung, die dank der IBH Softec Gateways angebunden werden konnte?
Wir haben mehrere Kunden, die zum Beispiel eine S5-95U-Steuerung im Einsatz haben und mit unseren Produkten OPC-UA-fähig gemacht haben. Dieser Steuerungstyp wurde im Jahr 1979 eingeführt.
Gibt es auch Fälle, in denen Sie dazu raten, doch lieber in eine modernere Steuerung zu investieren?
Tatsächlich nicht. Wir wissen, dass wir die genannten Steuerungen ohne viel Aufwand ebenso OPC-UA-fähig bekommen, wie es die neuen Steuerungen von Haus aus sind. Daher überlassen wir diese Entscheidung gerne den Kunden, sind aber immer für sie da, wenn sie sich für den Weg über uns entscheiden.
Das Interview führte Angela Unger-Leinhos i Redakteeurin eleektrotechnik AUTOMATISIERUNG und ist in der elektrotechnik 1 |2026 erschienen.